05.03.2014

"Jenseits der Profiliga"

Machen Sportvereine jenseits der Profiliga noch Sinn? Ja, meint der Vorsitzende der DJK-Würzburg in einem Kommentar.




Liebe DJK-Freunde!

Etwa 91.000 Sportvereine mit rund 27 Millionen Mitgliedern gibt es in Deutschland. Darunter befinden sich rund 150 Vereine mit Profimannschaften und 3.000 Spielern, die mit einem Umsatz von 2,2 Milliarden Euro 50 Millionen Fans und 9 Mrd. Zuschauer pro Saison beglücken sowie 42.000 Arbeitsplätze vorhalten.

Dem FC Bayern München gebührt in der Hierarchie der reichen, prächtigen und mächtigen Vereinen mit Profimannschaften der unangefochtene Spitzenplatz. Funktionäre und Sportler werden fürstlich entlohnt. Die Großen und Mächtigen der deutschen Wirtschaften unterstützen generös das sportliche Spitzentreiben in Deutschland. Werbung bei den Großen, Prächtigen  und Mächtigen des Sports macht sich schließlich bezahlt.

Und das Millionenpublikum zahlt, konsumiert, amüsiert sich, trägt keine Verantwortung, bekommt während der Pausen beim Spielbetrieb Entzugserscheinungen. Ihm fällt vermutlich auch nicht auf, wie viele Wanderer zwischen den Sportwelten unter den Top-Sportlern in Deutschland umherziehen, was zählt, ist der Top-Erfolg, Fans wie Sponsoren sind nur den Erfolgreichen treu.

Eine Abteilung wie die Turnabteilung mit gerade einmal 35 Mitgliedern müssen die Verantwortlichen des großen, prächtigen und mächtigen FC B wie eine Majestätsbeleidigung empfunden haben, wie die Kränkung eines Elefanten durch das Summen eines Bienchens vor seinem Rüssel. Also hat der große, prächtige und mächtige Elefant sich einmal ärgerlich geschüttelt, und der Spuk „Turnabteilung“ war aus der Welt!

An dieser Stelle fällt zwangsläufig unser Blick auf die scheinbar Erfolglosen in unserem Staat, die 91.000 Vereine im Wettkampf-, Breiten-, Gesundheits- und Rehasport, auf die sogenannten Amateurvereine, von Millionen Frauen und Männern durch harte Arbeit bei hoher Verantwortung und Nervenanspannung unentgeltlich am Leben erhalten, sowie durch Millionen Übungsleiter/innen und Trainer/innen mit viel Engagement bei einem „Hungerlohn“, verglichen mit dem Salär der „Profis“, sportlich angeleitet.

Lohnt es bei diesen Erkenntnissen überhaupt, solchen Sportvereinen auch nur eine Zeile zu widmen? Ja! Die Sportreibenden ohne große Kulisse haben es verdient. Aber …! Man könnte an dem vorher beschriebenen System in Deutschland rütteln.

Vielleicht gelänge dessen Änderung, wenn in allen 91.000 Sportvereinen ohne Profisport in Deutschland zeitlich begrenzt alle Mitglieder bei den Sportverbänden abgemeldet, die Verträge mit den Übungsleitern/Trainern und somit auch der Spielbetrieb ausgesetzt werden würde und die Fans der Profivereine, die selber Sport treiben in Amateurvereinen, auf den Besuch von Profispielen für einige Zeit verzichteten. Das wäre eine mächtige Bewegung, deren Folgen den Staat sowie die mächtigen und prächtigen Sportvereine zeitweise in große Verlegung brächten.

Ich vermute allerdings, ein solch utopisches heißes Eisen fassen die Funktionäre nicht an aus unterschiedlichen Gründen, zumal die Medien sich ihre Finger daran nicht verbrennen würden, ihre Existenz hängt schließlich auch von den Mächtigen, den Reichen, den Ruhmreichen ab.

Ihr/euer

Dr. Wolfgang Faust

(1. Vorsitzender DJK-Würzburg)


(Foto: pitopia, Robert Kneschke, 2013)

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